Bericht 
 
Workshop Beschallung 30. Mai 2009 mit Jürgen Härpfer  
 

Nach drei Jahren Workshop-Pause geht es jetzt endlich wieder los. Der Chef der Musikschule Funtastico in Weinsberg, Marcus Trübendörfer, ist in neue Räumlichkeiten umgezogen und verfügt nun über einen kleinen Konzertraum, der für das geplante Vorhaben optimal ist. Das kommt meinem Terminplan sehr entgegen.

Mit neun Teilnehmern aus nah und fern ist der Grundkurs am Samstag perfekt belegt. Die durchweg männlichen Wissbegierigen, im Alter von 14 bis über 60 Jahren, kommen hauptsächlich aus der näheren Umgebung. Die weiteste Anreise hatte Markus K. aus Augsburg mit über 200 km.

Für den geplanten Aufbaukurs am Sonntag gibt es leider zu wenige Anmeldungen. Dennoch: die Interessenlage erstreckt sich locker bis Basel und so wird es sicher einen zweiten Versuch für einen zweitägigen Workshop geben.

Um 10 Uhr geht es los. Die kleine Vorstellungsrunde erfüllt gleich mehrere Zwecke:

  • Der Workshopleiter erkennt im Vorfeld schon sehr genau, wie viel Zeit mit kleinen, aber wichtigen, Details zu verbringen ist.
  • Die Leute ergänzen sich bei der anstehenden Teamarbeit effektiver, weil die jeweiligen Vorkenntnisse untereinander bekannt sind.
  • Und es muss sich niemand als Schlusslicht vorkommen, weil klar ist, dass man mit seinen mitgebrachten Fragen und Problemen nicht allein ist.

Fast alle sind sie Musiker mit der unangenehmen Aufgabe, sich in ihrer Band um die Beschallung zu kümmern. Mancher hat mit seiner Hobby- und Amateurband eigentlich nur ein paar Auftritte im Jahr, aber auch da lohnt sich der Workshop. Selbst mit einfacher Ausrüstung gibt es doch immer wieder Brummen, Zischen, Rauschen sowie schlechte Verständlichkeit bei den Konzertgästen und auf der Bühne.

Na prima ! Genau das beobachtet der Workshopleiter auch regelmässig als Zuhörer auf Konzerten. Keine Sorge, ab sofort wird sich das Niveau bei einigen kleinen Events wieder verbessern. Dafür sind wir ja hier.

 

Die Auswahl an Mischpulten ist nicht schlecht, aber natürlich wird uns die Zeit davon rennen. Deshalb nehmen wir ein  Mischpult das nicht viel Schnickschnack hat.  Zum Glück gibt es das Yamaha MG 12/4: keine komplizierten Klangregler, kein eingebauter Effekt, lediglich ein Aux-Kanal für die Bühnenbeschallung und ein Aux-kanal für ein externes Hallgerät. Und: die Teilnehmer müssen später nicht lang suchen, wenn sie selbst was machen sollen.
Trotzdem: PFL ist möglich, ein paar Insert-Buchsen gibt’s  und das Messgerät stimmt recht genau. Auf die Peak-LED wollen wir uns beim Einpegeln nicht verlassen.
Eine Stereogruppe und ein paar andre Kleinigkeiten gibt es da ja auch noch. Wer ein einfaches Pult kapiert hat, der kommt mit einem grösseren auch klar. Wer aber an einem grossen Mixer vor lauter Knöpfen nichts mehr sieht, der versteht im Workshop nur Bahnhof.

Das MG 12/4 ist übrigens auch sehr gut zum Einsteigen, weil es hier schon mit einem Phänomen losgeht, das für den Techniker sehr wichtig ist. Es gibt symmetrische und unsymmetrische Anschlüsse. Was kann ich wo problemlos reinstecken? Die kombinierten Mono-Stereokanäle müssen auch kurz mal durchprobiert werden.

Den Unterschied zwischen dynamischem Mikrofon und Kondensatormikrofon haben haben alle längst kapiert. Und prompt kommt die Frage aus den jüngeren Reihen: “geht das dynamische Mikro nicht hops, wenn da 48 Volt dran sind?” Gut mitgedacht. Wissen Sie die Antwort ? Ach, und was sind denn “Bändchenmikrofone”?

Wir vergleichen die zahlreichen vorhandenen und selbst mitgebrachten Mikrofone auf alle wichtigen Eigenschaften. Das bedeutet: was ist für den störungsfreien und wohlklingenden Betrieb wichtig? Nahbesprechungseffekt, Richtwirkung, Ploppen, Hantiergeräusche, wackelige Buchse, Schalter ... und alles ohne Diagramme, sondern mit live-Betrieb und richtigen Aha-Effekten.

Später: Franz klingt mir seiner Superniere über die voll aufgebaute Front wie John Wayne ! Druckvoll und klar. Eine Freude für den Subwoofer. Trotzdem kein Stück Gewummer. Das perfekte Beispiel dafür, dass Stimme und Mikrofon einfach “ab Hersteller” zueinander passen sollten.

Bei sämtlichen Basics bisher keine Spur von Langeweile - auch nicht bei denen die bis hier alles zu wissen glaubten.

Mittagspause. Die Jungen schnappen sich derweil das PHHB18 von Wolfgang und probieren, einen Ton rauszubekommen. Nicht ganz einfach, wenn im Insert des Mikrofonkanals ein ausgeschalteter Kompressor (...) steckt.

Alle wieder da? Es gibt übrigens kostenlose Getränke. Das Wetter im Saal ist im Vergleich zu draussen äusserst angenehm.

 

Monitoring: Bühnenbeschallung. Vorsicht: es kommt eine Falle. Die Musik von CD klingt doch so erst mal ganz gut, oder? Es sind alle einverstanden. Stoppen wir doch mal eben die CD. Siehe da (höre da): es hatte sich tatsächlich eine gehörige Portion Brummen versteckt. Und warum? Die Verkabelung war schuld: Instrumentenkabel, Klinke, unsymmetrisch. Und was machen wir dagegen? Wir nehmen von Jürgens reicher Auswahl an Adaptern etwas Anderes. Klinke stereo. Genauer: Klinke symmetrisch. Die Aux-Buchse des MG12/4 ist symmetrisch, der Eingang des aktiven Monitors ebenso. Trotzdem brummt es immer noch. Erst mit DI-Box ist das Problem gelöst. Alternativ: benutze die richtige Steckdose. Wir lernen: der Ausgleichstrom in der Erdschleife kann schon recht hartnäckig sein.

Aber jetzt wollen wir mal eine Front mit Subwoofern aufbauen. Grafische Equalizer mit Subwooferausgang. Nachteil: der Main-Out des GEQ gibt die Bässe auch dann an die Satelliten, wenn da ein Subwoofer mitarbeitet. An meinem Satelliten kann man die Bässe leider nicht ausschalten. Trotzdem: wir bauen es auf und hören und das an. Der Chef kennt auch einen Trick, wie man den Bass trotzdem von den Satelliten weg bekommt.

Die selbst gebauten Boxen klingen erstaunlich gut. Damit blamiert man sich nun wirklich nicht. Selbst im Fullband-Betrieb sind die Doppel-10er gar nicht so übel. Da müssen Sie allerdings im Bass dann doch sehr gepuscht werden.
Ich hatte zwar gar keine Lust auf Eigenbau, aber der Handel bietet nun mal leider nichts Entsprechendes. Optisch lässt sich natürlich noch was machen.
Die Eigenbau-Subs sind brutal schwer. Dicke Holzwände, starke innere Verstrebungen und üppig Dämmplatten machen sich im Klang positiv bemerkbar.

 

Umbau: Die Front wird nun über Frequenzweichen bedient. Auch hier: Eigenbau. Multiband Kompressor (Triband) mit flexibel routbaren Ausgängen. Jetzt klingt ‘s noch besser. Schon wieder Eigenbau ??!  Hier sieht jeder “ohne kompliziert”, wie man was rausbekommt. Wer das verstanden hat, der beschäftigt sich dann zu hause erfolgreich selbst mit dem Thema.

 

Na dann mal ran an die Kompressoren und den Hall. Aus der Konserve eine junge Frau mit Gesang (links) und Klavierbegleitung (rechts). Aufgabe: den Klang richten, die richtigen Kompressor-Einstellungen finden  und einen passenden Hall optimal einsetzen. Was machen meine Teilnehmer: holen ihre Instrumente raus und jammen zu dem Stück. Super. So bekommen wir ein klasse Set. “Musiker” und “Techniker” wechseln frei durch. Gleichzeitig wird das Thema Monitoring wieder hoch interessant.

 

 

 

 

 

Manfred hatte seinen Vogelnistkasten mitgebracht und wollte wissen, wie man die Küken am besten beim Wachsen belauscht.

Jürgen T. hatte sein Vesperbrett dabei. Es gab Käseplatte. Natürlich wollte er vom Chefkoch wissen, welche Gewürze dazu am besten passen.

 

 

Als Chef immer gut zu erkennen:
Schlüsselkind Jürgen.

 

 

 

 

 

 

Die Zeit ist mit 10 bis 17 Uhr knapp, wird aber optimal genutzt:
alle Augen und Ohren sind konzentriert auf die Mitte gerichtet, wenn wieder ein neues Thema aufkam.

 

Ganz im Hintergrund zu sehen: eine der tragbaren Schalldämmplatten des Chefs, die schon den übelsten Saalsound und die Bühnenakustik verbessert hatten. Apropos Raumakustik: zu den speziellen Tricks mit den Raumresonanzen (Raummoden) werden wir heute leider nicht kommen.

 

Keine leichte Aufgabe:
zwei Mikrofonsignale absolut gleichwertig zum Zuhörer bringen. Das geht nur mit Kompressoren. Im Duett hätten die beiden sich ansonsten im Silbenrhytmus gegenseitig die Show gestohlen. Unmöglich, das zu geniessen. Der Vergleichstest zeigt es eindeutig.

Na gut, der Herr rechts im Bild kann eh nicht singen. Der Herr links kannte den Text zu “Country Roads” nicht. Egal mit Durcheinandergeschwätz wie auf dem Hamburger Fischmarkt geht es auch ganz gut.

 

Ein Hoch dem Erfinder der Return-Buchse. Aha: Klinke. Aber: symmetrisch oder unsymmetrisch. Wofür soll die Buchse gut sein? Wofür kann sie notfalls missbraucht werden?

 

 

 

 

 

Eine Stereo-DI-Box. Billig, aber in Ordnung. Die Buchsen wackeln nicht, die Messwerte sind OK.
Etwas Teureres kommt erst wieder in ’s Haus, wenn man mit der Technik irgendwann auch angemessen Geld verdienen kann. Na, noch ein paar Workshops ausrichten ........

 

 

Eigentlich könnten wir jetzt noch stundenlang üben und noch mehr dazu lernen, aber die Uhr tickt. Die Methode “learning by doing” verbraucht zwar viel Zeit, ist aber  nach Meinung der Teilnehmer gar nicht wegzudenken. Wer möchte kann auch noch nach Workshopende ausgiebig “spielen”.

Fazit:

Der Grundkurs hat seine Berechtigung. Es sind die einfachen Probleme, die den routinierten Anfänger seit Jahren quälen. Ein paar einfache Grundregeln und schon geht man ganz relaxed an den nächsten Auftritt. Da lässt es sich dann auch ganz entspannt musizieren.
Alle sind jetzt gespannt auf weitere Tricks für Monitoring und Raumakustik - es reicht uns heute nicht mehr.
Die meisten hätten dann doch ganz gern Zeit für den Aufbaukurs gehabt.

Danksagungen:

Ein ganz toller Dank geht an meinen langjährigen Freund und Geschäftspartner Marcus Trübendörfer, den Keyboarder mit Leib und Seele. Hilfsbereit und absolut professionell mit Rat und Tat ist er eine enorme Stütze für das Projekt.

Dank auch an meinen ehemaligen Schüler Wolfgang Beil, der einen Teil seiner Ausrüstung zur Verfügung gestellt hat.

Nie wieder Media Markt

“Ich bin doch nicht blöd.”
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Öffnen Sie einfach die Speicherklappe während die rote LED leuchtet oder blinkt (Schreibvorgang läuft).
Laut Bedienungsanleitung (70D, 80D ...) kann dadurch unter anderem die Kamera beschädigt werden.

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Suchen Sie auch “EOS 70D Error 80”.
Es ist sehr interessant, wie viele Nutzer offensichtlich Probleme mit defekten Apparaten hatten.

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